Austriacus wird neu ausgerichtet

Neue Bewertungskriterien, ein ganzheitlicher Blick auf Kommunikationsleistungen und ein überarbeitetes Veranstaltungskonzept: Der Austriacus wird für 2027 umfassend weiterentwickelt.

austriacus gabriel alarcon

Der Austriacus zeichnet seit 2017 im Zweijahresrhythmus herausragende Kommunikationsleistungen aus ganz Österreich aus. Im Unterschied zu klassischen Kreativwettbewerben erfolgt die Teilnahme nicht über eine direkte Einreichung: Für den Bundespreis qualifizieren sich Arbeiten, die zuvor bei den jeweiligen Landeskommunikationspreisen der Wirtschaftskammern ausgezeichnet wurden. Damit bringt der Austriacus die besten Projekte aus den Bundesländern auf eine gemeinsame Bühne – unabhängig von Größe, Standort oder Spezialisierung der beteiligten Unternehmen.

Gerade für die regional geprägte österreichische Kommunikationswirtschaft ist dieser Zugang relevant. Zwei Drittel der heimischen Werbedienstleistungsunternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. Der Bundespreis bietet damit auch kleineren Agenturen und Kreativschaffenden die Möglichkeit, über das eigene Bundesland hinaus sichtbar zu werden.

Seit seiner Einführung wurde der Austriacus fünfmal vergeben, zuletzt im Jänner 2026. In zwölf Kategorien wurden jeweils Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze verliehen. Nun wird das bisherige Modell grundlegend überarbeitet.

Auszeichnung schafft Vertrauen

Grundlage der Neuausrichtung ist unter anderem eine Evaluierung, für die Anfang 2026 rund 150 bisherige Preisträgerinnen und Preisträger befragt wurden. 85 Prozent gaben an, dass sich die Teilnahme oder eine Auszeichnung rückblickend gelohnt habe. Als wesentliche Effekte nannten sie eine höhere Bekanntheit der Agentur, zusätzliche Sichtbarkeit und ein gestärktes Kundenvertrauen.

Auch auf Auftraggeberseite besitzen Kreativpreise Gewicht: Drei Viertel der befragten Kundinnen und Kunden betrachten sie als aussagekräftigen Hinweis auf die Qualität einer Agentur. Zwei Drittel erklärten, dass Auszeichnungen sowohl die Auswahl als auch die Bindung an eine Agentur beeinflussen. Für Jürgen Bauer, Obmann des Fachverbands Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Österreich, bestätigt dies die Funktion des Austriacus als Qualitätsindikator. Der Austriacus sei dabei bewusst nicht als reiner Kreativpreis angelegt, sondern als Kommunikationspreis, der die gesamte Branche und ihre unterschiedlichen Leistungen abbilden soll.

Die gesamte Lösung zählt

Die Weiterentwicklung wurde von Vertreterinnen und Vertretern der Kommunikationswirtschaft aus allen Bundesländern begleitet. Wie Volkmar Fussi, Mitglied des Fachverbandsausschusses Werbung und Marktkommunikation, erläutert, sollen die bisherigen Kategorien künftig einem offeneren Bewertungsmodell weichen. Die klassische Zuordnung zu einzelnen Disziplinen werde der heutigen Kommunikationslandschaft zunehmend weniger gerecht.

Im Mittelpunkt steht daher künftig die Gesamtqualität einer Lösung. Beurteilt werden sollen unter anderem die strategische Schärfe, die kreative Qualität, die Problemlösungskompetenz, die Umsetzung, die Zielerreichung und die Nachhaltigkeit einer Arbeit. Entscheidend ist somit nicht allein die Idee, sondern ebenso, was sie bewirkt. Damit können Kommunikationsprojekte unabhängig davon bewertet werden, ob sie aus klassischer Werbung, Design, digitalen Anwendungen oder anderen Bereichen stammen. Die Jury soll die Arbeiten ganzheitlich betrachten und ihrem jeweiligen Kontext entsprechend beurteilen. Der Austriacus soll dadurch zugleich breiter aufgestellt und inhaltlich vertieft werden.

Neues Konzept für die Preisverleihung

Parallel zum Bewertungsmodell wird auch die Preisverleihung neu konzipiert. Die Gestaltung und Durchführung des nächsten Austriacus werden an eine externe Agentur vergeben. Österreichische Agenturen können sich an der entsprechenden Ausschreibung beteiligen. Ziel ist ein Veranstaltungsformat, das den neuen Anspruch des Bundeskommunikationspreises sichtbar vermittelt. Die Weiterentwicklung beschränkt sich nicht auf die Bundesebene. Auch Landespreise erproben Elemente des neuen Modells und liefern praktische Erfahrungen für die weitere Ausgestaltung. Der Austausch zwischen den Bundesländern soll ermöglichen, Rückmeldungen frühzeitig aufzunehmen und die Kriterien auf ihre Relevanz und Umsetzbarkeit zu prüfen. Im Zentrum steht zunächst die nächste Vergabe im Jahr 2027. Langfristig soll der Austriacus als bundesweite Auszeichnung weiter an Bekanntheit und Bedeutung gewinnen – und sich ebenso dynamisch entwickeln wie die Kommunikationswirtschaft, die er abbildet.

 Foto: Gabriel Alarcon.