An einem Dienstagabend im März wurde es im Literaturhaus Vorarlberg äußerst konkret mit der Kraft der Sprache. Man imaginiere: Die Tür fällt ins Schloss, das Licht geht aus, und weiß: Wer hier wieder hinauswill, braucht keine Zahlenkombination, sondern Einfälle, Timing und ein Gespür für Geschichten.
Die Idee zu diesem besonderen Abend kam von Hanno Schuster aus dem Leitungsteam der Kreativwirtschaft Vorarlberg. Gemeinsam mit Frauke Kühn vom Literaturhaus Vorarlberg wurde daraus ein Format, das die Mitglieder der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in einen kollektiven Schreibprozess hineinzog. Zwei Gruppen ließen sich quasi im alten Dienstbotengang der Villa Franziska und Iwan Rosenthal einschließen und schrieben sich von Station zu Station wieder hinaus.
Dort warteten Impulse, Wendungen, Perspektivwechsel und Entscheidungen unter Zeitdruck. Sätze entstanden im Gespräch, Bilder wurden weitergedreht, Ideen verworfen und im nächsten Moment neu aufgeladen. Genau darin lag die besondere Energie dieses Abends: Schreiben war hier keine stille Disziplin, sondern ein lebendiger Aushandlungsprozess. Tempo, Einfallsreichtum und Zusammenspiel waren gefragt.
Am Ende standen zwei Texte, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Die eine Gruppe schickte eine Staubmilbe durch eisige Erfahrungen, die andere erfand mit Josi eine rätselhafte Figur, die durch Zeiten und Leben wandert, Erinnerungen verliert und nur bruchstückhaft zu sich selbst zurückfindet. Beide Geschichten wurden bei einer abschließenden Blitzlesung auf der Bühne präsentiert und mit viel Applaus aufgenommen.
Dass die Teilnehmenden begeistert waren, hatte gute Gründe. Der Abend zeigte sehr direkt, was möglich wird, wenn Sprache nicht als Einzelleistung gedacht wird, sondern als gemeinsamer Raum. Ideen gewinnen an Tempo, wenn mehrere Köpfe daran arbeiten. Texte bekommen neue Richtungen, wenn andere Perspektiven hineingrätschen. Und Schreiben kann erstaunlich leicht werden, wenn man es nicht allein tun muss.
Ein besonderer Dank gilt dem Team des Literaturhauses Vorarlberg unter der Leitung von Frauke Kühn, das diesen Abend mit viel Gespür und Sinn für das Format möglich gemacht hat. Entstanden ist ein Erlebnis, das weit über einen originellen Programmpunkt hinausging: spielerisch, klug und voller Lust an Sprache.
Textbasis: Nachbericht des Literaturhauses Vorarlberg, adaptiert für die Website der Kreativwirtschaft Vorarlberg.
Fotos: Frauke Kühne/Andrea Fritz-Pinggera