Gestaltung beginnt mit Zuhören
Eva-Maria Köberle, Jahrgang 1987, ist Grafik- und Branddesignerin aus Hard am Bodensee die mit Strategie und feinem Gespür für Design ganzheitliche Markenauftritte entwickelt.
Sie sind während der Corona-Pandemie in die Selbstständigkeit gestartet – was waren die Herausforderungen?
Eva-Maria Köberle: Der Wunsch ist über Jahre gewachsen. Nach dem Studium für Grafik- und Kommunikationsdesign in München und Stationen in internationalen Unternehmen – ua in der Huber Gruppe, Wolford, Hanro und Ölz – wurde der Wunsch nach mehr Gestaltungsfreiraum und Selbstbestimmung stärker. Ich wollte näher an den Menschen und ihren Ideen sein und direkt mit Kund:innen zusammenarbeiten. Den Mut fand ich auf einer längeren Reise mit meiner Zwillingsschwester Christina durch Singapur, Australien, Bali und Thailand. Besonders geprägt haben mich die zwei Monate mit dem Camper in Australien: die Weite, das Freiheitsgefühl und die entspannte „Laid-back“-Mentalität. Zurück in Vorarlberg war klar: einfach machen.
Dass ich mitten in der Corona-Pandemie 2020 gestartet bin, war herausfordernd, aber auch motivierend. Persönliche Treffen und das Netzwerken waren nur eingeschränkt möglich, gleichzeitig wurde vielen Unternehmen bewusst, wie wichtig ein klarer Markenauftritt und digitale Kommunikation sind. Man wurde kreativ und entwickelte neue Ideen. Rückblickend war es genau der richtige Zeitpunkt.
Ihr Schwerpunkt liegt im Design für Hotels, Hospitality, Lifestyle- und Genussmarken – wie kam es dazu?
Eva-Maria Köberle: Das hat sich ganz natürlich entwickelt. Meine Schwester Christina hat sich ebenfalls selbstständig gemacht – als Texterin und Journalistin. Über ein Gespräch mit Karin Winder kam sie mit der Agentur WINDER&WILD in Kontakt. So hatten wir gleich zu Beginn unserer Selbstständigkeit das Glück, als Freelancerinnen für das Resort Bergkristall im Allgäu zu arbeiten. Auf Basis der von WINDER&WILD entwickelten Positionierung rund um „Bergkristall ist ein Gefühl“ durften wir die grafische und textliche Gestaltung mitübernehmen – unter anderem für die Magazinreihe MOMENTUM und zuletzt für die Premium-Kosmetiklinie EWIG by Bergkristall. Dabei haben wir schnell gemerkt: Dieses Feld liegt uns und macht große Freude. Gerade bei Hotels geht es nicht nur darum, dass etwas schön aussieht. Eine Marke soll erlebbar werden und ein Gefühl vermitteln. Was Gäste im Hotel spüren, sollte sich auch auf der Website, in Social Media, in Magazinen und an allen weiteren Berührungspunkten wiederfinden. Besonders gerne arbeite ich mit inhabergeführten Häusern. Dahinter stehen oft Familien mit viel Herzblut, Erfahrung und unterschiedlichen Blickwinkeln. Diese Dynamik finde ich immer wieder spannend. Genau hinzuhören und die Identität eines Ortes sichtbar und spürbar zu machen, ist für mich das Besondere.
Wie wichtig ist Ihnen als EPU die Zusammenarbeit im Netzwerk – und mit wem pflegen Sie diese?
Eva-Maria Köberle: Gerade als EPU ist ein gutes Netzwerk enorm wertvoll. Seit Kurzem bündeln wir unsere Kompetenzen als buenas studio: meine Schwester Christina als Texterin u, mein Schwager Agustín als Senior Full-Stack Developer für Websites und individuelle digitale Lösungen, dazu weitere Kreative und Spezialist:innen. So können wir Projekte gezielt aus einer Hand anbieten, ohne eine klassische Agentur zu sein. Wir verstehen uns als flexible Gruppe analoger und digitaler Creatives. Darüber hinaus nutze ich inzwischen bewusster die Netzwerke von Frau in der Wirtschaft, der Grünen Wirtschaft und seit Kurzem auch der Jungen Wirtschaft Vorarlberg. Daraus entstehen wertvolle Begegnungen, neue Perspektiven und immer wieder spannende Kontakte.
Haben Sie schon einmal das BildungsPlus in Anspruch genommen?
Eva-Maria Köberle: Ja, ich habe das BildungsPlus für einen Workshop im Bereich KI-Bildgenerierung mit Midjourney genutzt. Dabei ging es um Prompt Engineering und wie sich KI sinnvoll in kreative Workflows integrieren lässt. Ich finde es wichtig, neuen Entwicklungen offen zu begegnen. KI ist längst Teil unseres Alltags und wird unsere Arbeit weiter verändern und neue Möglichkeiten eröffnen. Gemeinsam mit buenas studio setzen wir uns von Beginn an damit auseinander und nutzen KI dort, wo sie unsere Arbeit sinnvoll ergänzt. Voraussetzung dafür sind ein geschultes Auge für Design, Know-how und Erfahrung im Storytelling und Aufbau einer Marke sowie die persönliche Zusammenarbeit mit Menschen.
Was wünschen Sie sich von der Kreativwirtschaft?
Eva-Maria Köberle: Ich finde es sehr wertvoll, dass die Kreativwirtschaft Vorarlberg mit den Casting Days und weiteren Formaten jungen Kreativen Raum und Sichtbarkeit gibt. Ebenso wichtig sind Initiativen wie Ladies, Wine & Design, die besonders Frauen in der Kreativbranche vernetzen und sichtbar machen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Weg weitergeführt und noch stärker ausgebaut wird. Ich habe selbst erlebt, wie wertvoll es sein kann, wenn jemand gerade am Anfang der Selbstständigkeit an einen glaubt und einem die Chance gibt, sich weiterzuentwickeln.
Danke für das Gespräch! Andrea Fritz-Pinggera; Foto: Marco Juen.
Kontakt:
Eva Köberle • Grafikdesign
Säntisweg 25, 6971 Hard
+43 (0) 664 41 39 250
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