Interview des Monats - Pionierin der Praxis
Wie Julia Weger mit ihrem Büro WEGWEISER Museen, Kulturhäuser und Events in die Zukunft begleitet.

Nachhaltigkeit wird viel zitiert und beschrieben – doch während viele noch über Rahmenbedingungen diskutieren, begleitet Julia Weger, (Jg. 1983, Mag.aFH) seit knapp zwei Jahrzehnten Museen, Kulturinstitutionen und Veranstalter:innen konkret auf dem Weg zur Integration von Nachhaltigkeit in den Betriebsablauf. Seit 2014 ist sie mit ihrem Büro WEGWEISER Lizenznehmerin für das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Events. Die Nachhaltigkeitsexpertin ist zudem bundesweit als Beraterin, Prüferin und Lehrbeauftragte aktiv – und derzeit auch bei der Einführung einer Nachhaltigkeitszertifizierung für deutsche Museen beteiligt.
Frau Weger, Sie zählen zu den Ersten, die sich in Österreich mit nachhaltigem Veranstalten befasst haben. Was hat Sie dazu bewogen?
Julia Weger: Schon meine Diplomarbeit im Tourismusstudium hat sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt – damals war das Thema noch kaum präsent. Als ich 2007 gründete, war Organisation, Kommunikation und Pressearbeit rund um Kulturveranstaltungen mein Schwerpunkt. Doch mit der Zeit wurde Nachhaltigkeit nicht nur gesellschaftlich relevanter, sondern auch in meinem praktischen Tun immer konkreter. Heute begleite ich Museen, Kulturhäuser und Veranstalter:innen bei der Entwicklung von Strategien, berate beim Nachhaltigkeitsmanagement und führe durch Zertifizierungsprozesse wie etwa zum Österreichischen Umweltzeichen.
Wie sieht diese Begleitung konkret aus?
Julia Weger: Ich arbeite aktuell an zahlreichen Projekten im DACH-Raum – von strategischer Beratung über Vorträge bis hin zur Zertifizierung. In Vorarlberg darf und durfte ich unter anderem das Frauenmuseum, das Jüdische Museum, die inatura, das vorarlberg museum sowie das KUB oder das Montafoner Museum begleitet. Bundesweit sind etwa das DomQuartier Salzburg, das Museum der Moderne oder das Lentos in Linz dabei. Aktuell darf ich auch in der Bundeshauptstadt das Volkskundemuseum begleiten. Im Nachhaltigkeitsmanagement betreute ich u.a. die Salzburger Burgen & Schlösser oder die SZENE Salzburg. Bei den Green Events z.B. das Hypo Meeting Götzis 2023. Aktuell unterstütze ich den Deutschen Museumsbund bei der Entwicklung einer eigenen Nachhaltigkeitszertifizierung – das ist besonders spannend, weil hier auch kulturelle Unterschiede in der Herangehensweise sichtbar werden.
Was ist heute anders als zu Beginn Ihrer Tätigkeit?
Julia Weger: Die Rolle hat sich verändert. Ich sehe mich weniger als klassische Beraterin, sondern als strukturierende Begleiterin, Mutmacherin und Unterstützerin. Mein Zugang ist praxisorientiert – es geht darum, machbare Wege zu finden. Gleichzeitig sind die Anforderungen gestiegen.
Was braucht es, um diesen Job langfristig gut durchzuführen?
Julia Weger: Geduld. Und die Fähigkeit, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Ich glaube, das hilft nicht nur in der Beratung, sondern macht den Alltag auch stressfreier – für alle Beteiligten. Fachlich ist es wichtig, immer am Puls der Zeit zu bleiben. Auch ich muss mich regelmäßig rezertifizieren. Nachhaltigkeit ist ein lernendes Feld.
Und worauf freuen Sie sich als Nächstes?
Julia Weger: Auf meine nächsten Vorträge und Workshops – zum Beispiel für eine Gruppe von Museen in Salzburg oder die Museen der Stadt Linz. Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Wissen heute weitergeben darf. Denn auch ich lerne jedes Mal dazu und die Begeisterung der Menschen zeigt, wieviel Energie für einen positiven Wandel vorhanden ist.
Herzlichen Dank für das Gespräch (Andrea Fritz-Pinggera)
Kontaktdaten:
Julia Weger, WEGWEISER Büro für nachhaltige Ideen
https://weg-weiser.at/
julia.weger@weg-weiser.at
+43 664 11 17 465
