Der Staatspreis Design 2026 hat Vorarlbergs Kreativszene eine außergewöhnlich starke Bühne geboten. Bei der Verleihung am 16. April im Wiener MuseumsQuartier wurden Kreative mit einem Sonderpreis, fünf Auszeichnungen und zwei Nominierungen gewürdigt. Der vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus ausgelobte Wettbewerb wird seit 2001 von designaustria organisiert und zählt zu den wichtigsten Designauszeichnungen des Landes. Heuer wurden 176 Einreichungen bewertet. Bernhard Hafele und Hanno Schuster vom Leitungskreis der Kreativen Wirtschaft Vorarlberg sehen darin ein starkes Signal für den Standort: „Vorarlberg punktete beim Staatspreis Design 2026 auch mit inhaltlicher Breite. Die Arbeiten zeigen Gestaltung als präzises Werkzeug für Raum, Vermittlung, Markenwelten, Architektur und Technik – mit Wirkung im Alltag, im öffentlichen Raum und in der Wirtschaft.“
Den Sonderpreis „Spaces & Environment“ erhielt „Zukunft ist Gut: Eine Schule wird zur Guten Stube“. Das Projekt der Offenen Jugendarbeit Bregenzerwald, gestaltet von Simone Angerer, Nina Beck und Anna Hopfner zeigt beispielhaft, wie Gestaltung im ländlichen Raum gesellschaftliche Wirkung entfalten kann. In Bersbuch wurde eine ehemalige Schule nicht spektakulär überschrieben, sondern mit Maß und Präzision in einen konsumfreien, generationenübergreifenden Ort der Begegnung verwandelt. Die Jury würdigte die atmosphärische Qualität, den behutsamen Umgang mit dem Bestand und den kollaborativen Prozess, durch den soziale Teilhabe konkret erfahrbar wird.
Gestaltung mit gesellschaftlicher Reichweite
Dass Vorarlberger Gestaltung häufig an der Schnittstelle von Raum, Vermittlung und Gemeinwohl arbeitet, zeigt auch das Frauenmuseum Hittisau. Für die Ausstellung „FRIEDEN TUN. Über Gerechtigkeit, Demokratie und Geschlecht“ erhielt das Haus eine Auszeichnung in der Kategorie „Spaces & Environment“. Das Projekt von Sabrina Summer/DeMachinas, Simone Angerer, Simone Knecht und Martin Beck entwickelt Frieden als räumlich erfahrbaren Prozess: mit einem Zentrum für Austausch, modularen Informationselementen, nachhaltigen Materialien und inklusiven Zugängen. Gestaltung wird hier nicht dekorativ verstanden, sondern als präzises Mittel der Auseinandersetzung und Vermittlung.
Weitere Auszeichnungen in derselben Sonderkategorie gingen an Vorarlberger Projekte, die die Bandbreite der heimischen Kreativszene deutlich machen. Das Atelier Roland Stecher wurde für „Hiller. Das fotografische Gedächtnis des Bregenzerwaldes“ ausgezeichnet, eine Ausstellung im vorarlberg museum, die regionale Fotogeschichte in einen raumgreifenden, sinnlich erfahrbaren Bilderatlas übersetzt. Super BfG erhielt eine Auszeichnung für „Dem Senf auf der Spur“, den Erlebnisrundgang für Lustenauer Senf, der Markenwelt, Produktionseinblick und Vermittlung gestalterisch schlüssig verbindet. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Sigi Ramoser und seine Sägenvier DesignKommunikation mit „Stadtspuren. Industrie und Wandel“ für die Stadt Dornbirn sowie Andrea Gassner (Atelier Gassner) die mit „verywood – Austrian Architecture Today“ österreichische Holzbaukompetenz für das Vorarlberger Architektur Institut und die World Expo 2025 in einen internationalen Kontext setzte und klimaschonendes Bauen als kulturellen und architektonischen Dialog erfahrbar machte.
Breite Qualität aus dem Land
Auch in der Kategorie „Investitionsgüter“ war Vorarlberg stark präsent. Zumtobel Lighting wurde mit „SOLENA“ für moderne Bürobeleuchtung nominiert, Georg Bechter Architektur+Design Georg Bechter Licht mit „VISO 28“, einem ultrakompakten Bewegungs- und Tageslichtsensor. Damit reicht das sichtbare Spektrum Vorarlberger Beiträge von Ausstellungs- und Informationsdesign über Marken- und Vermittlungsräume bis hin zu architekturnaher Licht- und Sensortechnik.
Der Staatspreis Design wurde 2026 zum 51. Mal vergeben. Die Ausstellung „Best of Austrian Design“ zeigt im designforum Wien alle ausgezeichneten und nominierten Beiträge; zudem erscheint ein Katalog zum Wettbewerb. Für Vorarlberg ist das ein deutliches Signal- wie auch Bettina Steindl, Vorstandsmitglied von designaustria und Geschäftsführerin der CampusVäre: „Die Kreativszene des Landes ist in Österreich nicht nur sichtbar, sondern inhaltlich relevant, formal präzise und in ihrer Wirkung bemerkenswert breit aufgestellt.“
(Fotos: Staatspreis/Valerie Eccli)