Was neue Möglichkeiten mit einer Branche machen

Die „5 Days of Creativity“ widmen sich vom 2. bis 6. November 2026 der Zukunft kreativer Arbeit - eine Nachlese unserer Pressekonferenz.

1 PK_5 Days of Creativity_© Udo Mittelberger-1

Auf Initiative der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Vorarlberg verbinden sich Branchenpraxis und Wissenschaft zu einer gemeinsamen Veranstaltungswoche der Kreativwirtschaft. Im Zentrum steht die Frage, wie sich der Wert menschlicher Kreativität im Umgang mit Künstlicher Intelligenz verändert.

Wenn Texte, Bilder und Entwürfe in Sekunden entstehen, gerät mehr in Bewegung als der einzelne Arbeitsablauf. Kund:innen bewerten Leistungen neu, Berufsbilder verändern sich, eingespielte Geschäftsmodelle werden hinterfragt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass allein die Fachgruppen Werbung und Marktkommunikation und die Fachgruppe Berufsfotografie für mehr als 3.000 Arbeitsplätze stehen. Für die Kreativwirtschaft geht es deshalb längst um mehr als die Wahl geeigneter Werkzeuge. Sie muss klären, worin ihre Leistung künftig besteht – und wie sie deren Wert vermittelt. 
Unter dem Titel „Wer stehen bleibt, verliert“ greifen die „5 Days of Creativity“ diese Fragen auf. Fünf Abende beleuchten Design und Gestaltung, Sprache und Text, Fotografie und Bild sowie die Zukunft der Branche. Das tägliche Kreative Frühstück in wechselnden Agenturen und Studios ergänzt die fachliche Auseinandersetzung um persönliche Begegnungen und Einblicke in die Arbeit vor Ort.

Möglichkeit verändert Erwartungen
Die Idee zur Veranstaltungswoche stammt ursprünglich von Jörg Ströhle von der Agentur zurGams und Hanno Schuster von schusterstrategien.com. Der Ausgangspunkt reicht über technische Fragen hinaus: KI erweitert die Möglichkeiten kreativer Arbeit und verändert damit zugleich die Erwartungen an ihre Ergebnisse. Was machbar erscheint, wird rasch zur Voraussetzung – für Auftraggeber ebenso wie für Kreative selbst.
„Was macht Möglichkeit mit uns?“ lautete deshalb auch die Leitfrage des Pressetermins am 16. Oktober im Theater KOSMOS in Bregenz. Die Kulisse von Macbeth eröffnet dafür einen gedanklichen Raum: Was geschieht, wenn plötzlich mehr möglich wird? Wie verändert das Entscheidungen? Und wer setzt Grenzen? Gemeinsam mit Hanno Schuster nahmen Margarita Köhl, Fachbereichsleiterin Gestaltung und Studiengangsleiterin InterMedia an der FHV, sowie Frederick Sams,Obmann der Berufsfotografen, an der Pressekonferenz teil. Zu Gast waren außerdem Bernd Sračnik als Macbeth und Sabine Lorenz als Lady Macbeth.

Hanno Schuster vom Leitungsteam der Kreativen Wirtschaft Vorarlberg betonte: „Möglichkeiten verändern Menschen, aber auch ganze Branchen. Künstliche Intelligenz stellt uns nicht einfach neue Werkzeuge zur Verfügung. Sie verändert unser Denken und Handeln, beeinflusst das Verständnis von Kreativität und nicht zuletzt die Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden an kreative Leistungen. Möglichkeiten verändern uns, ob wir wollen oder nicht. Die entscheidende Frage lautet: Was machen wir daraus?“

Worin der Unterschied liegt
Die Woche nähert sich diesen Fragen aus unterschiedlichen beruflichen Perspektiven. Den Auftakt macht am Montag der Designer Nicolas Tschaikner, Gründer des Feldkircher Studios Superfluid und Dozent an der FHV. Seine Keynote „Gegen den Strom – wie Kreativität gewinnt“ im JWV-Hub in Dornbirn beschäftigt sich mit einer Ambivalenz digitaler Gestaltung: Systeme, Vorlagen und KI erleichtern die Arbeit, können Ergebnisse aber auch austauschbar machen. Welche Fähigkeiten braucht es, um unter diesen Bedingungen eigenständig zu gestalten?
Am Dienstag nehmen Daniel Perrin und Marlies Whitehouse von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der CampusVäre Sprache und Text in den Blick. Unter dem Titel „Warum dein Kopf nicht kündigen darf!“ untersuchen sie, was bei der vermeintlichen Automatisierung von Sprachberufen übersehen wird. Ihr Thema ist die Differenz zwischen dem Erzeugen sprachlicher Formen und der Verantwortung für Bedeutung und Aussage.
Der Mittwoch gehört der Fotografie. In der Gelben Fabrik in Dornbirn fragt der Corporate- und Businessfotograf Jürgen Nobel, was einzigartig bleibt, wenn Bilder auf Knopfdruck entstehen. Dabei wird es konkret: Wie lassen sich KI-gestützte und generierte Inhalte in die eigene Arbeit einordnen? Wie verändert sich das Gespräch mit Kund:innen? Und wie werden Leistungen positioniert und kalkuliert?

„Technologien ändern sich, das Neue ersetzt nun nicht das Alte, sondern es generiert Nichtreales – was uns als Berufsfotografie besonders betrifft. Wir haben eine neue Chance, auf eine Technologie aufzuspringen, wir müssen dran bleiben und diese auch nutzen – allerdings  mit dem Vertrauen in unsere Verantwortung als Fotografinnen und Fotografen", hebt Frederick Sams hervor.

Die eigene Zukunft verhandeln
„Die Kreativbranche ist tot – Lang lebe die Kreativität“ heißt es am Donnerstag bei Weber, Mathis und Freunde in Dornbirn. Der Abend der Reihe „Ansichten“ greift den Druck durch sinkende Budgets, veränderte Qualitätsansprüche und KI als vermeintlichen Ersatz für kreative Leistungen auf. Zur Diskussion steht, welche Möglichkeiten sich aus den eigenen Kompetenzen der Branche ergeben: Ideen entwickeln, Zusammenhänge erkennen und neue Perspektiven eröffnen.
Am Freitag verbindet sich die Veranstaltungswoche mit dem internationalen Design-Symposium „Hybrid Futures – Design Beyond Transformation“ an der FHV. Kuratiert von Margarita Köhl, richtet es den Blick auf eine Gestaltungspraxis, in der physische, digitale, soziale und ökologische Dimensionen ineinandergreifen. „Als Forschungs- und Bildungseinrichtung ist es für uns zentral, dass die Studierenden auf die zukünftige Gestaltungswelt vorbereitet werden und sie auch mitformen können. Wir vermitteln ihnen einen kritischen Umgang mit allem, was unter künstlicher Intelligenz zusammengefasst wird. AI Literacy umfasst nicht nur die Nutzung von KI-basierten Tools sondern auch deren experimentelles und verantwortungsvolles Weiterdenken. Darum geht es auch in unserem Designsymposium", sagt Margarita Köhl.

Den Abschluss bestreitet Arno Lindemann mit der Keynote „KI kann alles darstellen – Vorstellen kann sie sich nichts.“ Der Kreative und Gründer der KI-Beratung MAiDO Solutions bringt mehr als 30 Jahre Werbeerfahrung mit. Er spricht über kreative Gleichförmigkeit und darüber, warum Urteilskraft, Geschmack, Empathie und Mut auch unter neuen technischen Bedingungen geübt werden müssen. Die Frage dahinter ist ebenso einfach wie folgenreich: Führt schneller tatsächlich zu besser?

Eine gemeinsame Woche
Getragen werden die „5 Days of Creativity“ von der Kreativen Wirtschaft – Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der WKV, der Fachhochschule Vorarlberg, der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, der Fachgruppe der Berufsfotografen, der Fachgruppe der Filmwirtschaft und Filmwerk, dem designforum Vorarlberg, der CampusVäre und Startup V.
Der Zusammenschluss bringt unterschiedliche Disziplinen und Erfahrungen an einen Tisch. Die Woche schafft damit Gelegenheit, Fragen gemeinsam zu bearbeiten, die längst in den einzelnen Betrieben angekommen sind: Welche Aufgaben lassen sich sinnvoll an KI übertragen? Wo braucht es menschliche Entscheidungen? Und was bedeutet das für die Zusammenarbeit mit Auftraggeber? Nach der abschließenden Keynote bleibt bei Musik, Essen und Getränken Zeit, diese Gespräche fortzuführen.

„Das designforum Vorarlberg hat sich zu einer wesentlichen Playerin in der Vernetzung von Wirtschaft und Gestaltung in Österreich etabliert. Wir freuen uns sehr, erstmals Partnerin der 5 Days of Creativity zu sein und diesem wichtigen Thema mehr Raum und Sichtbarkeit in Vorarlberg zu ermöglichen", sagt Susanne Siemayr, Leiterin designforum Vorarlberg abschließend. 

Fotos: 

Hanno Schuster, Margarita Köhl und Frederick Sams.

Bernd Sračnik (Macbeth) und Sabine Lorenz (Lady Macbeth)

Fotos: Udo Mmittelberger

3PK_5 Days of Creativity_© Udo Mittelberger-20
PK_5 Days of Creativity_© Udo Mittelberger-6
1/2