Wenn alle dieselben Werkzeuge nutzen, entscheidet die Idee
Im Gespräch mit "5 days of creativity"-Speaker Nicolas Tschaikner (Visual Designer, Dozent, Netzwerker), der am 2. November seine Keynote hält.
Nicolas Tschaikner ist Gründer des Designstudios Superfluid aus Feldkirch und arbeitet seit über sieben Jahren an der Schnittstelle von Branding und digitaler Gestaltung. Abseits des Bildschirms beschäftigt er sich mit der Frage, wie gute Gemeinschaft entsteht – und gibt die Antwort darauf mit seinem Coworking Space und Community-Events in Feldkirch.
Design-Systeme, Templates und KI machen Gestaltung schneller. Was genau macht ein Design unverwechselbar, wenn alle mit denselben Werkzeugen arbeiten?
Nicolas Tschaikner: Die Idee. Diese Werkzeuge eignen sich dafür, schnell visuell beeindruckende Ergebnisse zu bekommen. Was unterscheidet, ist die Idee.
Viele Auftraggeber wollen gar nicht anders sein, sondern schnell, günstig und sicher. Wie verkauft man Kreativität jemandem, der für Effizienz bezahlt?
Nicolas Tschaikner: Manchmal macht es gar keinen Sinn, das überhaupt zu versuchen. Für viele solcher Auftraggeber ist KI das perfekte Tool – damit muss man sich arrangieren.
In Wirklichkeit ist es aber so, dass auch Kreativität in der Gestaltung – ganz im Gegensatz zur Kunst – ein Ziel verfolgt, und das ist meistens ein wirtschaftliches. Es gibt nicht wenige Studien, die belegen, dass Kreativität und Design der Schlüssel zu unternehmerischem Erfolg sein können.
Und sobald die Unternehmen, die auf schnell und günstig setzen, alle genau gleich aussehen und nicht mehr unterscheidbar sind kommen sie auch wieder zu uns Kreativen zurück.
Sie sagen, manche Fragen sind auch für Sie selbst noch offen. Welche beschäftigt Sie gerade am meisten?
Nicolas Tschaikner: Denken wird gerade zum Luxusgut. Ausgelöst durch ständiges Scrollen, Klicken und Konsumieren – und jetzt noch verstärkt durch KI – verlernen wir gerade das tiefe Nachdenken und das Innehalten. Gute Ideen entstehen aber in den Pausen, in der Zeit, in der unser Gehirn nicht beschäftigt wird. Ich frage mich derzeit oft, wie wir unsere Aufmerksamkeit zurückholen können.
Gegen den Strom schwimmen kostet Kraft. Wann lohnt es sich für Gestalter:innen, und wann nicht?
Nicolas Tschaikner: Gestalter:innen, deren Arbeit genauso gut ist wie die Ergebnisse einer KI, werden es schwer haben, davon zu leben. Wer erfolgreich gestalten möchte, wird lernen müssen, gegen den Strom zu schwimmen. Gestalter, deren Arbeit gleich gut ist wie die Ergebnisse einer KI, werden es schwer haben, davon leben zu können.
Keynote: 2. November: 18 Uhr
Gegen den Strom – wie Kreativität gewinnt
Design-Systeme, Templates und KI machen es einfacher denn je, digitale Produkte zu gestalten. Doch wenn alle dieselben Tools nutzen, sieht am Ende auch alles gleich aus. Dieser Talk zeigt, warum Kreativität der entscheidende Vorteil bleibt – und welche Fähigkeiten Designer:innen wirklich zukunftssicher machen. Mit seinem Talk gibt Nicolas Tschaikner Einblicke in die Zukunft kreativer Arbeit – aus der Perspektive eines Designers, der selbst noch nicht alle Fragen beantwortet hat.
Ort: Junge Wirtschaft Vorarlberg-Hub, Postgarage,
Hintere Achmühlerstraße 1b, Dornbirn